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02.07.2015 Bosch-Mitarbeiter gegen Verkaufspläne für den Bereich Starter und Generatoren - Kundgebung vor der Konzernzentrale in Gerlingen

Über 2.000 Bosch-Mitarbeiter protestierten am Donnerstag, 02.07.2015 vor dem Bosch-Hauptsitz in Gerlingen gegen die Entscheidung der Geschäftsführung, einen Partner oder Käufer für den Geschäftsbereich Starter Motors and Generators (SG) zu suchen. Unter ihnen waren mehr als 1.000 Beschäftigte aus den in Deutschland hauptbetroffenen Standorten Hildesheim und Schwieberdingen. Aus allen deutschen Bosch-Standorten wurden Delegationen auf die Kundgebung entsendet. Auch Beschäftigte der Mercedes-Benz-Werke Sindelfingen und Untertürkheim waren anwesend.
Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzender Alfred Löckle erklärte in seiner Ansprache, dass die Nachricht der Unternehmensführung eine vorher noch nie dagewesene Debatte in den Bosch-internen sozialen Medien ausgelöst hat. In mehr als 1.500 Beiträgen hatten sich Mitarbeiter kritisch mit der Entscheidung der Geschäftsführung auseinandergesetzt. "Dass sich Mitarbeiter konzernweit und in diesem Ausmaß an der Debatte beteiligen zeigt, dass die Zeit für einsame Entscheidungen an der Unternehmensspitze zu Ende ist", so Löckle.
Der Gesamt- und Konzernbetriebsrat sowie der europäische Betriebsrat fordern ergebnisoffene Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern der betroffenen Standorte. Löckle erklärt: "Eine Beteiligung der Beschäftigten an den Entscheidungsprozessen ist unerlässlich. Auch die Mitbestimmungsrechte im Falle eines Übergangs in eine andere Unternehmensrechtsform müssen gewahrt bleiben." Nicht allein der Unternehmensgewinn solle im Vordergrund stehen, sondern langfristige Perspektiven und Sicherheiten für die Arbeitsplätze der SG-Mitarbeiter.
Jörg Hofmann, Zweiter Vorsitzender der IG Metall und Mitglied des Bosch-Aufsichtsrates sagte: "Der heutige Protest der Bosch-Belegschaften zeigt eindeutig: Bosch muss umdenken. Wir fordern eine nachhaltige Unternehmenskultur mit Verantwortung und Entwicklungsperspektiven für die Beschäftigten. Verkauf und Ausgründungen sind keine Lösung".
Hartmut Meine, IG Metall Bezirksleiter für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, forderte vor der Bosch-Zentrale in Stuttgart ein Ende des seit Jahren stattfindenden Abbaus von Arbeitsplätzen: "In den letzten 35 Jahren wurden bei Bosch in Hildesheim 12.000 Arbeitsplätze abgebaut. Bei jeder Ausgliederung von Produktionsumfängen behauptete Bosch, dass die Arbeitsplätze sicher sind. Dies glaubt in Hildesheim niemand mehr. Es muss jetzt endlich Schluss sein mit Ausgliederung, Verkauf und Arbeitsplatzabbau. Die Geschäftsführung muss die Maßnahme stoppen und mit der Arbeitnehmerseite konstruktive Verhandlungen aufnehmen." Meine betonte, dass die von Bosch geplante Ausgliederung der Starter und Generatoren auch den Standort in Göttingen betreffen werde. Am Standort werden gebrauchte Starter aufbereitet: "In Göttingen arbeiten 630 Beschäftigte im Bereich Remanufacturing. Sollte der Bereich der Starter und Generatoren verkauft werden, hat das auch für das Werk in Göttingen Konsequenzen. Es ist unwahrscheinlich, dass ein möglicher Käufer seine Starter bei Bosch aufarbeiten lassen wird."
Stefan Störmer, Betriebsratsvorsitzender aus Hildesheim beschreibt die Enttäuschung der Mitarbeiter am Standort: "Nach Abschluss der erneuerten Standortsicherungsvereinbarung Ende März hatten die Hildesheimer wieder Hoffnung und eine Zukunftsperspektive. Seit Anfang Juni sind sie nun unbeschreiblich enttäuscht und haben große Angst vor der Zukunft." Störmer betonte, dass die Mitarbeiter keineswegs Angst vor Veränderungsprozessen hätten. Aber sie wollen diese auf Augenhöhe mitgestalten und sich nicht vor vollendete Tatsachen gestellt sehen: "Die Bosch-Produkte können und müssen sich wandeln. Manchmal müssen sie auch komplett verschwinden. Aber die Menschen und ihr Know-how sollen bei Bosch bleiben und weiter am Erfolg des Unternehmens mitwirken."

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Ulrich Jager, Betriebsratsvorsitzender des Bosch-Standortes Schwieberdingen, sagt: "Die Kolleginnen und Kollegen sind empört über die Entscheidung der Geschäftsführung. Sie haben über lange Jahre die schwierige Situation des Geschäftsbereichs verbessert. Nun haben sie das Gefühl, dass sie nicht ernst genommen werden." Er betont: "Wir fordern eine Zusage der Geschäftsführung, dass es ein Bleiberecht bei Bosch gibt."
Die beiden Betriebsratsvorsitzende der betroffenen SG-Standorte in Deutschland, übergaben Herrn Denner während eines 45-minütigen Gesprächs eine Sammlung von fast 8.000 Unterschriften von Mitarbeitern aller Standorte in Deutschland, die sich gegen einen möglichen Verkauf aussprechen.
An den internationalen SG-Standorten fanden zeitgleich vielfältige Protestaktionen statt. Mit Hilfe einer Telefonzuschaltung auf die Kundgebung überbrachte Moisés Huerta Árgos die Forderungen der Arbeitnehmervertretung aus Treto, Spanien. Zoltan Molnar, Betriebsratsvorsitzender aus Ungarn war persönlich auf die Schillerhöhe angereist und vertrat den Standpunkt des Standorts Miskolc.
Nach den Gesprächen mit der Firmenseite erklärte Alfred Löckle in der Pressekonferenz: "Zumindest haben wir folgende Zusagen erhalten:
- Alternative Konzepte in Bezug auf die mittel- und langfristige Planung von Produktion und Beschäftigung bei SG sollen diskutiert und bewertet werden können.
- Die Rechte der Mitarbeiter, sich für oder gegen den Wechsel in ein anderes Unternehmen entscheiden zu können, sollen über den ganzen Prozess hinweg gewahrt bleiben. Das gleiche gilt für die Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte bei einer Unternehmensumwandlung.
- Substantielle Lösungen zur Absicherung der Arbeitsbedingungen und Sicherung der Beschäftigung nehmen einen zentralen Bestandteil aller Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung ein.

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Was wir nicht erreicht haben, ist die Geschäftsführung davon zu überzeugen, von ihren Verkaufsplänen Abstand zu nehmen." Alfred Löckle zieht folgendes Fazit: "Mit dem heutigen Tag haben wir einen kleinen, aber wichtigen Teilerfolg erzielt. Aber bei weitem noch keine Lösung."

Letzte Änderung: 02.07.2015


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